Die Psoriasis vulgaris ist eine der häufigsten chronischen Dermatosen, deren Morbidität bei Europþern 2-3 Prozent der Bev?lkerung betrþgt. Heute werden zwei Typen der Psoriasis unterschieden. Bei den Patienten mit einer Typ-1-Psoriasis liegt das Erstmanifestationsalter im zweiten Lebensjahrzehnt, es bestehen eine positive Familienanamnese und eine Assoziation zu den Faktoren des HLA (huma-nes Leukozytenantigen) Systems, besonders zu den HLA-Cwß, B13, B57 und Dr7. Die Typ-ll-Psoriasis manifestiert sich erstmals in der 5.-6. Lebensdekade und hat keine positive Familienanamnese.

Die kindliche Psoriasis kann in der Regel dem Typ-I zugeordnet werden. Die genetische Prädisposition reicht für die klinische Manifestation einer Psoriasis nicht aus. Es wird nicht die Krankheit als solche vererbt, sondern die latente Bereitschaft der Haut, psoriatisch zu reagieren. U.a. sind mechanische, infektiöse und psychosomatische Ausl?ser ("innere und äußere Reize") bekannt. Die Psoriasis ist ein fast reines Hautleiden, das - mit Ausnahme der Gelenke - keine anderen Organe befällt. Der einzelne Psoriasisschub kann unterschiedlich lange dauern und von einem ebenfalls unterschiedlich langen, Wochen bis Jahre dauernden, erscheinungsfreien Intervall abgelöst werden.

Die Grundeffloreszenz der Psoriasis ist ein scharf begrenztes Erythem mit geschichteter Schuppung (erythemato-squamös) (Abb. 20). Die starke Schuppenbildung ist Folge einer um ein Vielfaches gesteigerten Epidermopoese: Der Zellzyklus ist von normalerweise 450 Stunden auf etwa 40 Stunden, die Transitzeit der Zellen von 28 Tagen auf 3-4 Tage verkürzt, die Mitoserate von 0.4% auf 2.5% gesteigert.

Histologisch findet man eine Hyper- und Parakeratose sowie eine ausgeprägte Akanthose. Im oberen Korium zeigen sich erweiterte Kapillaren und entzündliche Infiltrate, in der Epidermis treten sog. Mun-ro'sche Mikroabszesse auf. Durch Konfluenz der Munro'schen Mikroabszesse kann sich die Sonderform der Psoriasis pustulosa ausbilden. Sie ist gekennzeichnet durch klinisch sichtbare Pusteln, die auf gerötetem Grund oft dicht bei dicht stehen und ebenfalls schuppen können. Der Pustelinhalt ist steril.

Prädilektionsstellen (= möglicherweise Folge unterschiedlich starker mechanischer Beanspruchung oder Irritation einzelner Hautpartien) sind:

  • die Streckseiten der Extremitäten (Ellenbogen, Knie),
  • das Capillitium und
  • die Sakralgegend.

Allerdings kann jede Körperstelle befallen sein. Die Schleimhäute dagegen bleiben frei. In 5-7% kommt es zum Gelenkbefall (negative Rheumaserologie!).

Psoriasis arthropatica

Bei der Psoriasis arthropathica sind die distalen Interphalangeal-Gelenke und die lleosakralgelenke bevorzugt befallen. Zunächst besteht eine Weichteilschwellung. Im weiteren Verlauf kann es (z.B. an den Fingern) zu meist asymmetrischen interphalangealen Gelenk-deformierungen kommen.

Therapie der Psoriasis

Vor jeder Therapie muß in der Regel eine Abschuppung durchgeführt werden. Dabei sollte im Kindesalter Salicylsäure zur Keratinolyse mit großer Vorsicht angewandt werden, da die systemische Resorption dieses Wirkstoffes bei Kindern beson-ders hoch ist. Bei starker psoriatischer Kopfschuppung ist Salicylsäure nur bis 5%ig, lokal begrenzt und kurzfristig unter Kontrolle anzuwenden.

Emulgierende Cremes haben bei längerer Einwirkungszeit ebenfalls keratolytische Eigenschaften. Hierzu zählen Unguentum emulsificans aquosum, das z.B. als Kopfkappe über Nacht unter einem Schlauchverband belassen werden kann und morgens mit einem handelsüblichen Shampoo ausgewaschen wird.

An die entschuppenden Maßnahmen schließt sich die antipsoriatische Lokaltherapie an. Eines der wirksamsten Lokaltherapeutika ist Dithranol, das mit gutem Erfolg auch bei Kindern eingesetzt werden kann. Die Therapie wird zunächst mit niedrigen Konzentrationen (0,05-0,01 %) Dithranol begonnen und dann schrittweise auf ca. 2% erhöht. Je nach Ausprägung können auch kurzzeitig topische Glukokortikoide, z.B. Jellin¨ Salbe oder im Kopfbereich Topsym¨-Lösung, zur Anwendung kommen.

Nachteilig wird bei der Dithranol-Therapie die Verfärbung von umgebender Haut und Wäsche empfunden sowie lokale Irritationen, die bei zu schneller Steigerung der Konzentration auftreten können. Dithranol darf nicht auf dem behaarten Kopf angewandt werden (Verfärbung der Haare!).

Bei der lokalen Anwendung von Caicipotriol bei Kindern sollte auf die erhöhte Resorption durch die kindliche Haut geachtet werden, um eine Beeinflussung des Caiciumstoffwechsels zu vermeiden. Die Anwendung von UV-Licht bei der Psoriasis im Kindesalter sollte schweren Formen der Erkrankungen vorbehalten bleiben. Die Empfindlichkeit der kindlichen Haut gegenüber UV-Licht ist höher als beim Erwachsenen. Ebenfalls muß das erhöhte Lebenszeitrisiko für die spätere Entwicklung UV-induzierter Hauttumoren, z.B. Spinaliome und Basaliome, beachtet werden.

Quelle: Broschüre "Hautkrankheiten bei Kindern", Herausgeber: Grünenthal GmbH, Aachen